Wissensaustausch per Stechuhr – die 5. Leipziger Autorenrunde

Am heutigen Buchmesse-Samstag begaben sich rund 200 Autoren freiwillig in eine Situation, die ihnen dem Klischee gemäß gar nicht liegen sollte: ein Raum voller Leute und Lärm, in dem es vor allem ums Reden und den Austausch ging. Aber wie es Sebastian Fitzek in seiner sehr unterhaltsamen Key Note Speech so treffend auf den Punkt brachte, ist es unschätzbar wichtig für den Literaturbetrieb, dass seine Akteure einen regen und uneigennützigen Wissensaustausch betreiben. Ein Forum für einen solchen Austausch und die Vermittlung von Wissen bot in diesem Jahr bereits zum fünften Mal die Leipziger Autorenrunde.

5. Leipziger Autorenrunde auf der Leipziger Buchmesse, Workshop für Autoren, Tischrunden

Zwischen 10 und 17 Uhr wurden in sechs 45-minütigen Runden an 18 Tischen 54 verschiedene Themen angeboten – querbeet durch alles, was die angemeldeten Autoren interessieren könnte, von Schreibtechnik, über spezifische Genres, Mechanismen des Buchmarktes und Verlagswesens, Veröffentlichungsformen, Selbst-Vermarktung, bis hin zu rechtlichen Aspekten. Die Teilnehmer konnten stets frei entscheiden (und auch jederzeit die Tische wechseln), sodass die Gesprächsrunden über Figurenentwicklung, Exposés oder Literaturagenten einen zusätzlichen äußeren Stuhlkreis erforderten, während sich die Referenten mancher exotischerer Themen auf ein intensives Gespräch mit einer handvoll Zuhörer einlassen konnten. Letzteres war bei dem enormen Lärmpegel wahrscheinlich die angenehmere Variante.

Und wie erging es mir selbst auf dieser Leipziger Autorenrunde? Wie bei einem Musikfestival mit zu vielen Bühnen. – Denn mal ehrlich: Wie soll man denn bloß entscheiden, wenn man von 54 Themen nur an rund sechs teilnehmen kann? Es klingt doch alles so interessant! Welches Thema bringt einen wirklich weiter? Worüber weiß man schon „genug“? Welche Bereiche sind vernachlässigbar? Und welche Beschreibungen versprechen mehr als die Realität später halten wird?

Tatsächlich berührte auch direkt meine erste Gesprächsrunde das angekündigte Thema nur sehr oberflächlich und wenig ergibig. Auch ein späteres Tischgespräch blieb für meinen Geschmack zu sehr in einem bestimmten Beispiel verhaftet, ohne rechtzeitig abstrakter oder vielschichtiger zu werden (was mir leider zu spät klar wurde, sodass aus einer anderen Runde nicht mehr viel mitnehmen konnte). Auch die generell recht gehetzte Stimmung trug nicht unbedingt zum Eindruck bei, dass bei diesem Format bereits die ideale Form der Wissensvermittlung gefunden sei. Denn genau wie in der Schule sprangen nach Ablauf der 45 Minuten ohne Vorwarnung alle Teilnehmer auf – weniger aus Freude über das Ende des Gesprächs, als lediglich aus Angst, beim nächsten Thema keinen zuhörerfreundlichen Platz zu ergattern.

Immerhin habe ich am Ende vier ausgesprochen spannende Gespräche über PR für Autoren, erfolgreiche Literaturveranstaltungen, Groschenromane und immersives Storytelling von sehr überzeugenden Referenten gehört. Dazu Essen, Getränke und ein wenig Networking. – Auch wenn am Format noch gefeilt werden könnte, so war es doch kein so schlechtes Ergebnis für einen Samstag und 55 Euro.   🙂