Es lebe das Netzwerk – in guten wie in schlechten Zeiten!

Montségur Autorenkonferenz 2017, Autorenforum, Oberursel, Netzwerken

Am vergangenen Wochenende hatte ich die grandiose Chance, an der 10. Montségur Autorenkonferenz in Oberursel im Taunus teilzunehmen. Das Montségur Autorenforum, das sich ausschließlich aus professionellen Autoren zusammensetzt, organisiert dieses Treffen für seine Forumsmitglieder, um auch den Austausch jenseits des Digitalen wenigstens einmal jährlich zu ermöglichen. Und lasst euch gesagt sein – ein solcher Austausch ist vor allen Dingen eines: intensiv!

Den Auftakt bildete am Freitag Abend eine kleine Führung durch die Räumlichkeiten und erste Gespräche auf der wundervoll im Grünen gelegenen Terrasse. Nach dem gemeinsamen Abendessen folgte der einzige öffentliche Teil des Wochenendes: Vier renommierte Autorinnen trugen aus ihren aktuellen Werken vor. Janet Clark las aus „Ewig Dein“, Inez Corbi las in Gedenken an das verstorbene Forumsmitglied Sabine Wassermann aus ihrem „Das Leuchten der Welt“ (veröffentlicht unter dem Pseudonym Isabel Beto), Clarissa Linden las aus „Unsere Hälfte des Himmels“ und die berühmte Ursula Poznanski las aus „Aquila“. – Eine bunte und beeindruckende Mischung, die aber tatsächlich nur im Ansatz die außerordentlich vielfältige Zusammensetzung der anwesenden Autoren widerspiegeln konnte.

Beste Voraussetzungen also Montségur Autorenkonferenz, Autorenforum, Oberursel, Netzwerkenfür die nächsten 1,5 Tage, die mit 1 Podiumsdiskussion, 3 Workshops, 7 Vorträgen und schier unendlichen Gesprächsanlässen sicherstellten, dass jeder Teilnehmer auf seine Kosten kam. Denn natürlich mangelt es dem typischen Autor genau daran: den Kollegen, genauer gesagt, dem persönlichen Dialog auf Augenhöhe mit kreativen Gleichgesinnten, welche die eigenen Bedürfnisse und Sorgen verstehen, ähnliche Erfahrungen gemacht haben und fundierten Rat geben können. Wie wohltuend, anregend und inspirierend so ein Austausch doch ist, zumal wenn die Autoren in so unterschiedlichen Feldern schreiben und ganz unterschiedliche Perspektiven auf das gleiche Thema liefern können! Und noch viel mehr für eine noch junge Autorin wie mich, die von der Erfahrung älterer Kollegen nur profitieren kann!

Montségur Autorenkonferenz, Autorenforum, Oberursel, NetzwerkenAll diese Erfahrung, die Denkanstöße, die spannenden Begegnungen und schillernden Persönlichkeiten – all das prasselt an so einem Wochenende in überragender Geschwindigkeit auf einen ein. Allein die Themen der Workshops und Vorträge reichten von Autorenlesungen und Interviewterminen mit Journalisten über Figurenaufstellung, Genrespezifika und aktuelle Entwicklungen bis hin zu Fragen des Steuerrechts und der Stärkung von Autorenrechten – und die persönlichen Gespräche kannten natürlich noch weniger thematische Grenzen. Wahnsinn!

Man erlebt also fast zwangsläufig eine Achterbahnfahrt der Gefühle und wechselt von Staunen, über Inspiration, hin zum reinen Glücksgefühl. Ich war erst beseelt, dann erstaunt, erschöpft, schließlich doch wieder neugierig und irgendwann auch frustriert, entmutigt und desillusioniert. Denn ein solches Zusammentreffen von Autoren, das will ich nicht unerwähnt lassen, führt auch immer zu einer Vielzahl an unerfreulichen und zum Teil erschütternden Geschichten über verschobene oder gar abgesagte Verlagsprojekte, bestürzend schlechte Kommunikation mit Verlagen, sinkende Verkaufszahlen, Werbe-Budgets, Backlist-Fristen und Honorare der kleinen und mittelständischen Autoren gegenüber unvorstellbaren Geldsummen für Lizenztitel und eine handvoll Bestseller-Autoren. Diese und andere beängstigende Entwicklungen können einem sicher den Mut nehmen, in der Buchbranche bestehen zu wollen. Wenn man nicht kurz darauf wieder ganz wundervolle Begegnungen mit vor Witz, Geist und Engagement sprühenden Autoren erleben dürfte. Dann springen auch die eigenen Ideen wieder ungezügelt umher, und man will unbedingt dazugehören und an all dieser Kreativität teilhaben und mitgestalten …

Wie gesagt: So ein Treffen ist vor allem intensiv! Und in Zukunft werden sie wohl eher noch intensiver werden, denn ab nun sollen die Montségur Autorenkonferenzen nur noch im zweijährigen Rhythmus stattfinden. Umso glücklicher kann ich mich schätzen, dass ich an diesem teilnehmen durfte. Vielen, vielen Dank dafür! 🙂