Die 12 größten Mythen über Kinderbuchautor*innen und ihre Bücher

Katharina Mauder erklärt die 12 größten Mythen über Kinderbuchautoren, Kinderbuchautorinnen, Kinderbuchautor*innen, Kinderbücher, Kinderbuch schreibenIn meinem Leben als Kinderbuchautorin begegnen mir immer wieder interessante und manchmal auch sehr kuriose Annahmen über meinen Beruf. Denn anders als bei einem Compliance Officer ? oder auch einer Lektorin ??, glaubt bei einer Kinderbuchautorin fast jeder Mensch zu wissen, was sie den ganzen Tag so treibt und womit sie genau ihr Geld verdient.

Nur leider entsprechen viele dieser Vorstellungen so gar nicht der Realität. Deshalb hier ein kleines Best of der Mythen über Kinderbücher und ihre Autor*innen. − Natürlich inklusive Lüftung des Geheimnisses, wie es denn in Wirklichkeit aussieht. Allerdings hauptsächlich auf die Verlagswelt bezogen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Denn weder die Mythen noch die Realität sind endlich. ?

Mythos #1: Für Kinder schreiben ist einfach.

Die Wahrheit: Ein gutes Buch zu Papier zu bringen, ist immer eine echte Herausforderung und im Normalfall verdammt viel Arbeit. − Ganz egal, in welchem Genre und für welche Zielgruppe. Gut zu schreiben, ist schwer! Kurz UND gut zu schreiben, ist oft noch schwerer! Das leuchtet jedem ein, der mal versucht hat, sich einen wirklich guten Werbeslogan auszudenken. ?

Tatsächlich gelten bei vielen professionellen Autor*innen Kinder- und speziell Bilderbücher sogar als eine der Königsklassen der Literatur. Denn sie bringen einige besondere Herausforderungen mit sich:

  • Wie schon gesagt, ist der Umfang einer Geschichte stark eingeschränkt.
  • Das Gleiche gilt für den Wortschatz, die Satzlänge und die Satzkomplexität.
  • Außerdem gehören Kinder zu den kritischsten Lesenden überhaupt.

Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Kindliche Leser*innen verzeihen im Normalfall deutlich weniger als Erwachsene. Wenn eine Geschichte langweilig wird, ihnen das Erzähltempo nicht passt oder sie eine der Figuren nicht mögen, legen sie das Buch gnadenlos beiseite und greifen nie wieder danach.

Kinderbücher müssen also den gleichen Kriterien gerecht werden wie Bücher für Erwachsene: eine super Geschichte, tolle Charaktere, gutes Erzähltempo, ansprechender Schreibstil etc. Aber sie haben dafür nur einen Bruchteil der Ressourcen und des Platzes. Klingt total einfach, oder? ?

Mythos #2: „Kinderbuch“ sagt doch schon alles.

Die Wahrheit: Die Buchlandschaft für Erwachsene unterteilt sich in schier unzählige Genres. (Vgl. „Buchgenres kompakt: Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen“ von Anette Huesmann – unbezahlte Werbung) Und im Kinderbuchbereich sieht es ganz ähnlich aus. Beispielsweise gibt es Kinderkrimis, Phantastische Erzählungen, Knutschromane, Wimmelbilderbücher, Alltagserzählungen, Märchen, Pferdebücher, Problemgeschichten, erzählende Sachbücher, Robinsonaden und vieles, vieles, vieles mehr.

Und als wäre diese riesige Bandbreite an Themen und Formen nicht schon genug, muss beim Kinderbuch natürlich auch noch das Alter der primären Zielgruppe berücksichtigt werden. Denn ein Bilderbuch für 3-Jährige hat mit einem Jugendroman ab 14 so viel zu tun wie ein Nordseekrimi mit einem Telefonbuch. ?

In der Verlagswelt wird im erzählenden Kinderbuch meist grob unterschieden zwischen:

  • Papp-Bilderbuch − für die Kleinsten (ca. 2 bis 3 Jahre)
  • klassisches Bilderbuch − für die Kleinen (ca. 3 bis 6 Jahre, je nach Bilderbuch aber auch älter!)
  • klassisches Vorlesebuch − ebenfalls für die Kleinen (ca. 4 bis 7 Jahre)
  • Erstlesebuch − für den Einstieg ins Selberlesen (ca. 6 bis 8 Jahre)
  • Kinderroman ab 8 − für junge selbstlesende Kinder (ca. 8 bis 9Jahre)
  • Kinderroman ab 10 − für ältere selbstlesende Kinder (ca. 10 bis 11 Jahre)
  • Jugendroman ab 12 − für jüngere Jugendliche (ca. 12 bis 13 Jahre)
  • Jugendroman ab 14 − für ältere Jugendliche (ca. 14 bis 15 Jahre)

All das sind aber übrigens nur sehr grobe Richtwerte! Spannende Bilderbücher können auch eine 10-Jährige faszinieren. Und der eine oder andere Kinderroman ab 8  taugt vielleicht auch als Vorlesestoff für einen 5-Jährigen.

Außerdem sind Kinder (genauso wie Erwachsene) extrem unterschiedlich in Sachen Vorlieben und auch Lesekompetenz. Deshalb kann eine Altersempfehlung nie als hieb- und stichfeste Referenz taugend. Und deshalb kommen zu dieser Liste auch noch alle möglichen Sparten in Einfacher Sprache hinzu. – Damit zum Beispiel ein leseschwacher 12-Jähriger nicht gezwungen ist, zu dem „Babykram“ ab 7 zu greifen. Dieses komplexe Thema verdient irgendwann mal einen eigenen Blog-Artikel. Aber generell gilt: Hauptsache es macht Spaß und überfordert nicht zu stark!

Mythos #3: Kinderbücher brauchen eine klare Moral.

Die Wahrheit: Ein Kind will beim Lesen genauso wenig einen erhobenen Zeigefinger vor seinem inneren Auge herumfuchteln sehen wie ein Erwachsener. Was in manchem Bilder- und Vorlesebuch noch seine Berechtigung haben mag, wird spätestens in Werken für selbstlesende Kinder zum absoluten No-Go. Und dabei ist es ganz egal, wie wichtig die Message in heutigen Zeiten oder auch generell wäre. Wer seine Leser*innen mit zu offensichtlichen Belehrungen erreichen will, erreicht sie im Normalfall gar nicht.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Kinderbuchautor*innen keine Haltung vertreten oder kritische Themen behandeln können. Im Gegenteil: Viele Kinder und Jugendliche finden es besonders spannend, wenn zum jeweiligen Alter und Horizont passende „Problemthemen“ wie  Umweltverschmutzung, Sexismus, Außenseitertum etc. in ihren Büchern eine Rolle spielen. Und sicherlich gehört es auch zur Aufgabe von Künstler*innen, unsere Lebenswirklichkeit zu thematisieren und einzuordnen. Aber eben auf künstlerische Weise und nicht mit dem Vorschlaghammer. ?

Zudem ist ja eine der wichtigsten Botschaften, die ein Kinderbuch vermitteln kann, dass Geschichten und Lesen Spaß machen und eine tolle Freizeitbeschäftigung sind. Und genau das klappt eben am besten ohne Moralkeule. Außerdem transportiert eine aufregende und relevante Geschichte wahrscheinlich auch ganz nebenbei schon einiges an Weisheiten, das ihre Leser*innen dann umso lieber aufnehmen und überdenken.

Mythos #4: Kinderbücher müssen süß und simpel sein.

Kinderbuchautorin Katharina Mauder präsentiert eines ihrer Bilderbücher vor Regal voller Kinderbücher Die Wahrheit: Kinder werden schockierend oft unterschätzt. Wahrscheinlich einfach, weil unsere faulen, erwachsenen Köpfe sich das nicht mehr so gut vorstellen können, wie echter Lernwille aussieht. ? Wir mögen die Vorstellung, dass Kinder unschuldig, süß und naiv sind, und wollen ihnen deshalb auch am liebsten entsprechende Bücher vorsetzen.

Aber tatsächlich sind Kinder schlau, anspruchsvoll und wahnsinnig wissbegierig. Wir können kindlichen Lesenden also sowohl schwierige Themen als auch das eine oder andere komplexe Wort zumuten. – Solange die Geschichte für das jeweilige Kind spannend genug ist und seinem Horizont sowie seiner Lesekompetenz entspricht. Wenn dann zum Beispiel die Wortbedeutung aus dem Erzählkontext ersichtlich ist, wird es das Kind geradezu in sich aufsaugen. Schließlich wächst der Wortschatz im jungen Kindesalter so rasant wie sonst nie mehr im Leben. – Eine Chance, die wir unbedingt nutzen und fördern sollten.

Mythos #5: Kinderbücher sollten sich reimen.

Die Wahrheit: Gute Kinderbuchverse zu schreiben, legt noch eine gehörige Schippe drauf auf die Schwierigkeiten von „kurz und gut“, die Kinderbücher ohnehin schon haben. (Siehe Mythos #1.) Mit leidlich passenden Reimwörtern am Ende jeder Zeile ist es nämlich nicht getan. Stattdessen ist es eine echte Herausforderung, mit eingeschränktem Wortschatz ein perfektes Versmaß zu formulieren, gute Reime zu finden und trotzdem zielstrebig eine Geschichte zu erzählen. – Ja, ein gutes Kinderbuch in Reimform ist wirklich eine Kunst!

Kein Wunder also, dass es es so viele Manuskripte (und auch Bücher!) mit wenig überzeugenden Reimen und holprigem Versmaß gibt (die vielleicht in Prosa viel besser gewesen wären). Und kein Wunder, dass Agent*innen und Lektor*innen erst einmal skeptisch sind, wenn sie ein Kinderbuch-Manuskript in Reimform zugeschickt bekommen. Umso höher kann aber auch die Freude ausschlagen, wenn sie ein tatsächlich gutes Exemplar in den Händen halten. Denn die gibt es natürlich auch!

Mythos #6: Gute (Groß-)Eltern sind auch gute Kinderbuchautor*innen.

Die Wahrheit: Natürlich sind die eigenen Kinder und Enkel begeistert von selbst erfundenen Geschichten. Es ist ja auch absolut großartig, wenn Mama, Papa, Oma, Opa oder sonst jemand das für die kleinen Lieblinge macht! Es ist ein wundervolles, inniges Erlebnis, an das sich wahrscheinlich alle Beteiligten ihr ganzes Leben lang mit einem warmen Kribbeln im Bauch erinnern werden.

Aber Schreiben ist noch einmal etwas ganz anderes. Mündliches Erzählen und schriftliches Erzählen sind generell zwei paar Schuhe. Und wenn dann noch die persönliche Beziehung zu den Zuhörenden (oder auch Lesenden) hinzukommt, verschwimmen die sonstigen Qualitätskriterien wie die Tinte im Aquarium.

Selbstverständlich ist es ein umwerfendes Geschenk für die Kleinen, die selbst oder gemeinsam erfundenen Geschichten aufzuschreiben. Das entstandene Heft oder Buch werden sie mit Sicherheit immer in Ehren halten. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Geschichten das Richtige für einen Verlag oder eine breite Öffentlichkeit sind.

Mythos #7: Von den Kinderbuchautor*innen Stammen Text und Bilder

Die Wahrheit: Klassischerweise läuft es so, das die Grundidee und Texte von den Autor*innen kommen. Und im Anschluss kreiert ein großartiger Illustrator oder eine brillante Illustratorin die passenden Bilder dazu. Das bedeutet gleich mehreres:

  • Illustrator*innen sind (genau wie Autor*innen) Profis – in den allermeisten Fällen mit einer entsprechenden langjährigen Ausbildung. Wer nur auf Hobbylevel malt (oder auch schreibt), erreicht damit im Normalfall leider nicht das Qualitätslevel, das für eine professionelle Veröffentlichung nötig ist.
  • Auch Illustrationen von Kindern funktionieren nur in absoluten (!) Ausnahmefällen für einen breites Publikum. – Sonst würden sich die Illustrator*innen ja auch schön ärgern, dass sie so viel Zeit und Mühe in eine aufwendige Ausbildung gesteckt haben. ??
  • Die typische Kinderbuchautorin kann sich also in puncto Bebilderung entspannt zurücklehnen. Sie reicht einfach ihre Idee (in Form eines Exposés) oder ihr Manuskript ein. Genau: ganz kahl und nackt. Und wenn es zu einer Veröffentlichung kommt, kümmert sich der Verlag um die Illustrationen. Ein schöner Luxus. ?

Katharina Mauder liest in einem ihrer Bilderbücher, um zu zeigen, dass Kinderbuchautor*innen nicht ohne Illustrator*innen auskommen.Ja, ja, ja, natürlich gibt es auch viele Illustrator*innen, die ihre Texte manchmal oder immer selbst schreiben. Vor so viel Kreativität können wir anderen dann nur den Hut ziehen – und im Hinterkopf behalten, dass genau das der gängige Weg ist: Ein*e Illustrator*in beginnt, auch eigene Geschichten zu schreiben. Dass ein*e Autor*in irgendwann die Gabe zu restlos überzeugenden Illustrationen bei sich entdeckt, ist dagegen ungemein, unglaublich, unfassbar selten!

Mythos #8: Kinderbücher entstehen im stillen Kämmerlein

Die Wahrheit: Klar hängt es von den jeweiligen Kinderbuchautor*innen und ihren Vorlieben ab, wo sie genau arbeiten. Und ja, für viele wird das ein möglichst stilles Büro sein. Aber zum Entstehungsprozess eines Kinderbuches gehören noch viele weitere Aspekte und Vorgänge, wie zum Beispiel:

  • Die Ideenfindung und Plot-Entwicklung findet zwar nicht zwingend, aber doch oft im ständigen Austausch mit mit anderen Menschen statt. Manche Autor*innen haben dafür eine Schreibgruppe oder vertraute Kolleg*innen. Auch beispielsweise eine Agentin oder eine Lektorin (bei einer Auftragsarbeit) sind hierfür gute Kandidatinnen.
  • Falls Exposé und Leseprobe vom Verlag angenommen werden, gilt es vielleicht dennoch Anpassungen in Abstimmung mit dem/der Lektor*in vorzunehmen.
  • Und selbst wenn schließlich das Manuskript vom Verlag akzeptiert wird, können sich Autor*innen immer noch nicht zurücklehnen. Denn dann geht es meist ans aufwendige Überarbeiten in mehreren Runden. Hier ist der rege Austausch mit der/dem Lektor*in also gar nicht mehr zu vermeiden.
  • Außerdem müssen Kinderbuchautor*innen (genauso wie andere Autor*innen) recherchieren. Das kann Zoo- oder Archivbesuche bedeuten, Telefonate mit Fachkräften oder vielleicht sogar eine Recherchereise in ein anderes Land. Und in jedem Fall bedeutet es, dass sich Kinderbuchautor*innen auf dem Laufenden halten müssen über die Lebenswirklichkeit von Kindern. Wie reden sie? Welche Themen sind ihnen heute in welchem Alter wichtig? Wie verbringen sie ihre Freizeit? – Und das erfährt man garantiert nicht im stillen Kämmerlein. ?

Mythos #9: Wirklich gute Kinderbücher sind erfolgreich

Die Wahrheit: Leider gilt dieser Mythos für den gesamten Buchmarkt. Hach ja, es wäre so schön, wenn sich Qualität definitiv durchsetzen würde. Aber leider ist dem nicht so. Viel zu viele großartige Bücher haben nie den Erfolg, den sie verdient hätten. Und umgekehrt erreichen manchmal nach allen objektiven Maßstäben wirklich schlechte Bücher schwindelerregende Verkaufszahlen.

Für diesen bedauernswerten Umstand gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen sind künstlerische Qualität und Unterhaltungswert etwas zutiefst Subjektives. Zwar kann man auch einige objektive Maßstäbe anlegen. Aber diese beeinflussen eben nicht unbedingt die individuelle Bewertung – und schon gar nicht jene der Peer Group. Kurz gesagt: Jeder darf halt lesen und gut finden, was er will. Und das ist prinzipiell ja auch gut so.

Zum anderen braucht ein Buch, um erfolgreich zu werden, ein Mindestmaß an Reichweite und Sichtbarkeit. Das kann schon daran scheitern, dass es überhaupt nie zu einer Veröffentlichung kommt. Denn ja, Verlage und Agent*innen lehnen auch oft genug wirklich gute „unaufgefordert eingesandte Manuskripte“ ab. Weil sie eben in dem Moment oder für ihren persönlichen Geschmack nicht passen. Fragt mal J.K. Rowling. Zum Glück mussten deren Bücher am Ende nicht in ihrer Schublade versauern, wie es so manch anderem guten Manuskript ergeht.

Kinderbuchautorin Katharina Mauders Kinderbuchregal, voller toller Bilderbücher und KinderbücherAllerdings können sogar veröffentlichte Bücher genial sein und trotzdem in einer kleinen Auflage langsam vor sich hinsiechen. Einfach, weil nie genug Menschen erfahren, wie toll dieses Buch tatsächlich ist. Bei einem derart überladenen Buchmarkt wie dem unseren, passiert das schneller als man „Kapitalismuskritik“ sagen kann. ?‍♀️ Umso erfreulicher also, dass immer wieder wundervolle Bücher ihren Weg in die Herzen der Kinder und Eltern finden. ? (Wie du dazu einen kleinen Teil beitragen kannst, erfährst du übrigens hier: „5 Tipps, wie du Selbstständige schnell und kostenlos unterstützen kannst“)

Mythos #10: Kinderbuchautor*innen sind reich

Die Wahrheit: Auch wenn Kinderbuchautor*innen bereits mehrere Bücher veröffentlicht haben, können sie es sich nicht mit einem gut gefüllten Bankkonto auf einer Ferieninsel gemütlich machen. Im Gegenteil: Kinderbuchautor*innen träumen davon, pro verkauftem Buch auch nur einen Euro zu verdienen. In vielen Fällen sind sie sogar von 50 Cent noch ein gutes Stück entfernt. Und bei Auflagen, die oft unter 5000 Büchern liegen, sind die Verdienstmöglichkeiten entsprechend überschaubar.

Kinderbücher sind also leider kein guter Weg, schnell zu Reichtum zu kommen. Es ist nicht die ultimative Methode für Autor*innen, über Nacht erfolgreich zu werden. Und es ist auch nicht der neue Geheimtipp, um passives Einkommen zu generieren. Genau genommen leben die allermeisten Kinderbuchautor*innen gar nicht ausschließlich vom Bücherschreiben. Viele gehen parallel einem Brotberuf nach, schreiben noch in anderen Bereichen oder verdienen zusätzlich Geld über eine große Anzahl an Schullesungen und Schreib-Workshops. (Ein paar mehr Details, kannst du hier nachlesen: „Vom Kinderbuch leben. – Geht das überhaupt?“)

Mythos #11: Lesungen sind Werbung für Autor*in und Buch

Die Wahrheit: Wie im Mythos #10 bereits anklang, verdienen Kinderbuchautor*innen an einzelnen Buchverkäufen nicht gerade ein Vermögen. Und Lesungen in Schulen, Kindergärten, Buchhandlungen, Bibliotheken und vor anderweitigen Kindergruppen sind für viele Kinderbuchautor*innen ein wichtiges finanzielles Standbein.

Klar, freuen sich Kinderbuchautor*innen darüber, wenn mehr Kinder und Eltern ihr Buch kennenlernen. Sie setzen sich auch liebend gerne für Leseförderung ein. Und jene Autor*innen, die Kinderbuchlesungen anbieten, haben mit Sicherheit auch einen Riesenspaß mit ihren jungen Zuhörer*innen. Aber eine top Vortragsrednerin geht ihrem Job genauso gerne nach und freut sich ebenfalls über mehr Bekanntheit für sich und ihr Thema. Trotzdem käme niemand auf die Idee, dass sie ihre Vorträge regelmäßig ohne angemessenes Honorar halten sollte.

Und genauso, wie spannende Vorträge zur Expertise einer Keynote-Speakerin gehören, sind fesselnde Autorenbegegnungen Teil der ganz speziellen Expertise von Kinderbuchautor*innen. Ich spreche von Autorenbegegnungen, denn ihr Angebot ist meist meilenweit von den sogenannten Wasserglaslesungen entfernt, die im Erwachsenenbereich noch zuhauf veranstaltet werden. Kinderbuchautor*innen liefern oft genug eine echte Lese-Show ab – mit Requisiten und schauspielerischer Finesse. Zudem berichten sie von ihrem Berufsalltag, tauschen sich mit den Kindern über Kreativität aus und verraten, wie ein Buch entsteht. Ein aufwendig vorbereitetes Angebot, das entsprechend entlohnt werden sollte.

Mythos #12: Kinderbücher Sind nichts für Erwachsene.

Die Wahrheit: In englischsprachigen Ländern ist es ohnehin verbreitet, dass Erwachsene immer mal wieder zu Kinderbüchern greifen. Und auch im deutschsprachigen Raum könnten die ach so erwachsenen Menschen davon nur profitieren. Denn:

  • Kinderbücher machen Spaß.
  • Kinderbücher sind mit ihren Illustrationen wunderschön.
  • Kinderbücher sind witzig.
  • Kinderbücher sind kreativ.
  • Kinderbücher enden gut oder zumindest hoffnungsvoll.
  • Kinderbücher bringen uns mehr in Verbindung mit dem Mindset unserer Kinder.
  • Und: Kinderbücher knutschen unser eigenes inneres Kind aus dem Dornröschenschlaf. ?

Weitere gute Gründe findet ihr übrigens auf dem Buchkind-Blog: „7 gute Gründe, als Erwachsener Kinderbücher zu lesen“

Fazit: Kinderbuchautor*innen sind großartig!

Ich habe in den letzten Jahren verdammt viele Kinderbuchautor*innen kennengelernt. Und eines kann ich voller Überzeugung sagen: Fast ausnahmslos alle sind extrem sympathisch, außerordentlich engagiert und beeindruckend kreativ. – Und das, obwohl sie chronisch unterbezahlt sind und immer wieder an den Katzentisch der Literatur verbannt werden. Aber zum Glück lassen sie sich davon nicht entmutigen.

Ja, Kinderbuchautor*innen sind wirklich ein wundervoller Menschenschlag, der unser aller Unterstützung verdient. Und wenn du auch denkst, dass Kinderbuchautor*innen der Rücken gestärkt werden sollte, teile diesen Artikel auf all deinen Kanälen. Tausend Dank! ??

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12 Gedanken zu „Die 12 größten Mythen über Kinderbuchautor*innen und ihre Bücher

  1. Mele Brink sagt:

    Wow, da spricht mir jemand aus der Seele ;-). Oder auch, das rettet mir glatt den Abend. Saugut ausgedrückt und in allen Punkten volle Punktzahl. Danke!
    (… eine Illustratorin, die seit einigen Jahren auch Kinderbuch-Verlegerin ist. (… und selbstredend nicht nur, aber auch, selbstgezeichnetes rausbringt.)

    • Katharina Mauder sagt:

      Tausend Dank für das tolle Kompliment, liebe Mele Brink! Und der Kommentar hat dann auch gleich meinen Abend versüßt! 😉

  2. Julia Strobel sagt:

    Liebe Katharina,

    ich bin keine Kinderbuchautorin oder Illustratorin – aber dafür eine Mama, die sich begeistert auf gute (!) Kinderbücher stürzt! Einfach weil ich beim Vorlesen auch Spaß & Spannung & tolle Bilder &…. will – genau wie meine Kinder.
    Und dass da von allen viel Professionalität, Leidenschaft und Können dahintersteckt merkt man. DANKE dafür!!
    Toll, dass Du das alles mal so auflistet und klar stellst

    • Katharina Mauder sagt:

      Oooh, deine Rückmeldung freut mich riesig, liebe Julia! Vielen Dank dafür! Dann erreiche ich mit dem Artikel genau das Ziel. ??

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